Wissenswertes zum Schwimmsport

Die Geschichte des Brustschwimmens

Das Brustschwimmen ist einer der ältesten menschlichen Schwimmstile. Allerdings stand der sportliche Aspekt lange Zeit im Hintergrund. Denn das Brustschwimmen war für den pragmatischen Homo Sapiens lange Zeit schlicht die einfachste Methode, um sich vor dem Ertrinken zu retten.

Brustschwimmen war schon in der Steinzeit populär

Die ersten Darstellungen vom Brustschwimmen finden sich als Höhlenmalereien im südwestlichen Ägypten:

Die „Höhle der Schwimmer“ wurde 1933 auf dem Gilf-el-Kebir-Plateau entdeckt und enthält zahlreiche Zeichnungen von brustschwimmenden Menschen. Man nimmt an, dass diese Malereien vor ca. 10.000 bis 5.500 Jahren entstanden sind, als in Afrika noch eine Feuchtperiode mit üppiger Vegetation herrschte. Ähnliche Illustrationen sind auch in babylonischen Flachreliefen und assyrischen Wandmalereien zu finden. Wissenschaftler vermuten, dass sich der damalige Steinzeitmensch den Grätsch-Beinschlag vom Frosch „abgeschaut“ hat.

Im Jahre 1696 veröffentlicht: „Die Kunst des Schwimmens“

1538 schrieb der deutsche Sprachwissenschaftler Nicolas Wynman eine ausführliche Abhandlung über das Schwimmen. Dabei richtete sein Buch „Colymbetes“ den Fokus nicht auf das Fitness- oder Wettkampfschwimmen, sondern beschäftigte sich mit schwimmerischen Grundlagen, um das Ertrinken zu verhindern.
Mehr als 150 Jahre später, im Jahre 1696, publizierte der französische Naturforscher und Schriftsteller Melchisédech Thévenot ein Buch namens „Die Kunst des Schwimmens“. Er beschrieb erstmals eine Brustschwimm-Technik, die der heutigen sehr ähnlich ist. Folglich kann man dieses Werk als einen der Wegbereiter für den Schwimmsport betrachten.

In 21 Stunden und 45 Minuten durch den Ärmelkanal

Um das Jahr 1800 herum gewannen die ersten Schwimmwettkämpfe in Europa an Popularität. Dabei nutzte man meist die Brustschwimm-Technik, einzelne Schwimmer versuchten sich aber auch schon im Kraulschwimmen.
1875 hat Captain Matthew Webb als erster Mensch den Ärmelkanal durchschwommen. Für sein waghalsiges Experiment bediente er sich des Brustschwimmens und benötigte für die 34,21 km lange Strecke 21 Stunden und 45 Minuten.
Bei den olympischen Spielen in St. Louis 1904 wurde erstmals Brustschwimmen als eigene Disziplin zugelassen. Neben dem Brustschwimmen galten Rückenschwimmen und „Freestyle“ als weitere Schwimm-Disziplinen.

Das „Nachvornebringen“ der Arme beim Brustschwimmen kostet Geschwindigkeit

Ab dem Jahre 1928 startete David Armbruster eine Studie an der University of Iowa, bei der Brustschwimmer unter Wasser gefilmt und deren Bewegungsabläufe analysiert wurden. Schnell erkannte er, dass das Nachvornebringen der Arme unter Wasser bei jedem Schwimmzug den Schwimmer signifikant verlangsamte. Daraufhin entwickelte er 1934 eine Schwimmtechnik, bei der der Schwimmer die Arme über Wasser nach vorne bewegte. Diese Art Schwimmens war schwer zu erlernen, brachte aber einen wesentlichen Geschwindigkeitsgewinn.

Ein Jahr später entwickelte Jack Sieg, ebenfalls an der University of Iowa, einen neuen Schwimmstil: Dabei lag der Schwimmer seitlich im Wasser und führte geschlossene Beinschläge aus, ähnlich wie ein Fisch mit seiner Flosse. Kurze Zeit später adaptierte Jack Sieg seine Schwimm-Technik: Er drehte den Körper in die Waagerechte und behielt den geschlossenen Beinschlag bei – der Delphin-Beinschlag war geboren.

Später kombinierten David Armbruster und Jack Sieg ihre Arm- und Beintechniken und nannten sie „Butterfly“, Schmetterling. Obwohl dieser Schwimmstil neue Geschwindigkeitsrekorde ermöglichte, verstieß der geschlossene Beinschlag gegen die Regeln beim Brustschwimmen. Die Kombination von Butterfly-Armzügen und klassischem Grätsch-Beinschlag war hingegen erlaubt.

Bei den olympischen Sommerspielen in Berlin 1936 wendeten bereits einige Athleten diesen Schwimmstil an, und 1938 schwamm beinahe jeder Wettbewerber auf diese Art. Und noch bis 1952 galten Schmetterlings-Armzüge und Grätsch-Beinschlag als eigener Stil mit individuellen Regeln.

Das Durchbrechen der Wasseroberfläche erhöht den Wasserwiderstand

1956 wurden bei den olympischen Sommerspielen in Sydney sechs Bewerber disqualifiziert, weil sie fast die ganze Distanz unter Wasser schwammen. Das Durchbrechen der Wasseroberfläche erhöht den Wasserwiderstand enorm, durch das Untertauchen hatten diese Schwimmer einen massiven Vorteil. Der Japaner Masari Furukawa umging die Regeln, indem er die ersten drei Bahnen nur fünf Meter über Wasser blieb, und die letzte Bahnlänge zur Hälfte unter Wasser zurücklegte. Somit gewann er die Goldmedaille.

Nachdem etliche Nachahmer im Wasser bewusstlos wurden, reagierte die FINA und änderte die Regeln: Nun musste jeder Schwimmer nach dem Start und nach jeder Wende mit dem Kopf die Wasseroberfläche durchbrechen.

Zahlreiche FINA Regeländerungen beim Brustschwimmen ab den 1960ern

In den 1960ern führte die FINA weitere Regeländerungen durch: Armzüge durften nur oberhalb der Hüfte ausgeführt werden, außer beim ersten Schwimmzug nach dem Start und nach jeder Wende. Bis 1987 musste auch der Kopf durchgehend über Wasser bleiben, später konnten auch andere Körperteile aus dem Wasser herausragen. Dies führte zu einer Brustschwimm-Variante, bei der der Schwimmer die Arme wie üblich unter dem Körper zusammenbringt und unter das Kinn führt, um sie danach schlagartig über Wasser noch vorne zu katapultieren bis die Arme komplett durchgestreckt sind.

Bei den olympischen Sommerspielen in Athen kam es zu einer weiteren Kontroverse, nachdem der Japaner Kosuke Kitajima den damaligen Weltrekordhalter Brendan Hansen über 100m Brust besiegte. Videoaufnahmen nach dem Bewerb zeigten, dass Kitajima nach dem Start und nach den Wenden etliche Male geschlossene Bein-Tempi durchführte. Nachdem die Offiziellen beim Rennen diese Delphin-Beinschläge nicht bemerkten, wurde das Endergebnis nicht mehr revidiert.

2005 änderte die FINA allerdings erneut die Regeln, und erlaubt seit September 2005 einen Delphin-Beinschlag nach dem Start und einen nach jeder Wende.

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